U20w-Landesmeisterschaft in der Wolfsgrube: Heimvorteil, große Emotionen und ein ehrlicher dritter Platz
Die Sporthalle Wolfsgrube bot am vergangenen Wochenende eine würdige Bühne für das Finale der Thüringer Landesmeisterschaft der weiblichen U20 – und für einen Turniertag, der sportlich wie emotional vieles bereithielt. Sechs Mannschaften aus ganz Thüringen kämpften in insgesamt elf Spielen um den Landestitel und die begehrten Tickets für die Regionalmeisterschaft. Mittendrin: der VfB 91 Suhl als Gastgeber und mit einer eigenen Mannschaft vertreten.
Sportlich nicht am Limit – mental bis zum Schluss
Aus sportlicher Sicht erreichte das Suhler Team am Ende den 3. Platz – ein Ergebnis, das objektiv das aktuelle Kräfteverhältnis in Thüringen widerspiegelt, intern aber dennoch zwiespältig aufgenommen wurde.
„Wir sind eher enttäuscht, weil wir wissen, dass mehr möglich gewesen wäre“, erklärte Trainerin Annamaria Polgar offen. Eine lange Weihnachtspause, nur eine Trainingswoche zur Vorbereitung und mehrere Spielerinnen, die am Vortag noch im Erwachsenenbereich im Einsatz waren, machten es schwer, rechtzeitig in den Wettkampfrhythmus zu finden. „Keine war so richtig in Form.“
Bereits im ersten Gruppenspiel gegen das SWE Volley-Team, den späteren Landesmeister, bekam Suhl einen deutlichen Dämpfer. Zu viele Eigenfehler im Aufschlag und fehlender Druck ermöglichten den Erfurterinnen, ihre Angriffsstärke voll auszuspielen. „Wir konnten kaum Druck aufbauen, sodass Erfurt ihr Spiel durchziehen konnte“, so Polgar.
Im zweiten Vorrundenspiel zeigte das Team jedoch eine klare Reaktion. Gegen den SV Schmalkalden gelang ein souveräner 2:0-Erfolg, auch wenn sich Suhl phasenweise schwertat. Der Sieg reichte letztlich, um den Einzug ins Halbfinale perfekt zu machen – und brachte zumindest ein Stück Sicherheit zurück ins Spiel der Gastgeberinnen.
Im anschließenden Halbfinale gegen den 1. Sonneberger VC präsentierte sich Suhl dann insgesamt stabilisiert – in Aufschlag, Annahme, Angriff und vor allem mental. Dennoch begann die Mannschaft zu spät, konsequent aggressiv zu agieren. Der zweite Satz wurde zum sportlichen Highlight aus Suhler Sicht: ruhig, konzentriert und verdient gewonnen.
Im Tiebreak fehlte dann in den entscheidenden „Big Points“ das letzte Quäntchen Durchsetzungsvermögen. „Wir haben bis zum Schluss gekämpft – das ist unsere Stärke. Dieses Mal hat es leider nicht gereicht“, so Polgar.
Das darauf folgende kleine Finale gegen das Team aus Gera konnte letztendlich mit 2:0 gewonnen werden und somit holte sich unsere Mannschaft die Bronzemedaille.
Kampfgeist, Zusammenhalt und Entwicklung
Kapitänin Helene Funk beschrieb den Turniertag als emotionalen Lernprozess. Nach einem schwierigen Start gegen Erfurt habe die Mannschaft im Laufe des Tages sichtbar zueinander gefunden. „Unser Kampfgeist und die Freude am Spiel sind gewachsen. Gerade gegen Sonneberg wollten wir dieses knappe Spiel unbedingt für uns entscheiden.“
Besonders der gegenseitige Zuspruch auf dem Feld sei ein entscheidender Faktor gewesen: gemeinsames Feiern guter Aktionen, gegenseitiges Aufrichten nach Fehlern, Fokus immer auf den nächsten Punkt. „Wenn es vorne lief und ein Punkt nach dem anderen kam, war ich hinten im Feld einfach nur stolz“, so Funk.
Auch die vertraute Umgebung der Wolfsgrube spielte eine Rolle. „Wir mussten uns an nichts anpassen. Das hat uns Sicherheit gegeben.“ Der Blick auf die Tribüne reichte oft aus, um neue Energie zu schöpfen.
Ein Finalturnier mit besonderem Stellenwert
„Wir haben unser Ziel erreicht, allen Spielerinnen einen würdigen Finaltag zu bieten“, zog Tobias Walther-Raßmann, Vorstand Sport des VfB 91 Suhl, ein positives organisatorisches Fazit. Die Wolfsgrube präsentierte sich als stimmungsvolle Kulisse, die nicht nur den Spielerinnen auf dem Feld, sondern auch den zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauern auf der Tribüne in Erinnerung bleiben dürfte. Auch der Livestream unterstrich die überregionale Aufmerksamkeit: Die Zugriffszahlen zeigten deutlich, dass das Interesse an Nachwuchsvolleyball weit über Suhl hinausreicht.
„So ein Turnier in eigener Halle hat immer einen besonderen Zauber“, so Walther-Raßmann weiter. „Genau auf solche Momente arbeiten wir in der Jugendarbeit hin.“
Einordnung und Ausblick
Sportlich gesehen machten am Ende jene Teams den Unterschied, die häufiger und höherklassiger trainieren und spielen. „Erfurt und Sonneberg haben Vorteile durch ihre Einsätze in der Regionalliga“, ordnete Polgar ein. Suhl konnte körperliche Nachteile und jüngere Jahrgänge diesmal nicht vollständig durch mentale Stärke kompensieren.
Dennoch: Der 3. Platz bedeutet eine Steigerung im Vergleich zu den Vorjahren. Zudem ist die Perspektive klar. Der Großteil der Mannschaft ist auch im kommenden Jahr noch U20-berechtigt, viele Spielerinnen sammeln regelmäßig Erfahrung im Erwachsenenbereich, und bereits in vier Wochen steht für einen Großteil des Teams die U18-Landesmeisterschaft an.
„Wir gehen einen Schritt zurück, arbeiten an den Basics und bauen darauf weiter auf“, lautet die Marschroute der Trainerin. Volleyball auf diesem Niveau erfordere Zeit, Geduld und viele Trainingsstunden – in einem Verein, der bewusst kein Profibetrieb ist und in dem Schule, Beruf, Familie und Sport immer in Balance stehen müssen.
Ein Turniertag, der bleibt
Für den Verein war das U20-Finale mehr als ein sportliches Ergebnis. „Solche Tage bringen echte Marmeladenglasmomente hervor“, sagte Walther-Raßmann. Momente, von denen Spielerinnen, Trainerinnen und Ehrenamtliche lange zehren können – und die zeigen, wie viel Herzblut im Suhler Nachwuchsvolleyball steckt.
Der Blick richtet sich nun nach vorn: auf weitere Jugendfinals, auf die kommende Saisonplanung und auf die nächsten Chancen, sportlich wie organisatorisch zu wachsen.
Alle Ergebnisse:
Vorrunde:
SWE Volley Team I : VfB Suhl U20w
2:0 / 50:30 (25:16 25:14)
VfB Suhl : U20w Schmalkalder VV
2:0 / 50:38 (25:23 25:15)
Halbfinale:
1.SVC04 U20w: VfB Suhl U20w
2:1 / 59:59 (25:23 19:25 15:11)
Kleines Finale:
VfB Suhl U20w : GVC 1
2:0 / 50:36 (25:22 25:14)









